Wie das „Unheil“ seinen Lauf nahmen!

Damals! 2008.
Da war ich nicht nur deutlich jünger als heute, sondern auch unwissender.
Zumindest wusste ich damals vieles noch nicht. Wie ist es alleine zu Wohnen? Oder wie es später mal  im „Arbeitsleben“ ist. Oder eben was die Fotografie mal für einen Teil in meinem Leben spielen würde.

Ach ich sag euch! Ich hatte ja keine Ahnung!
Aber wie kam ich eigentlich auf die Fotografie? Was war meine erste Kamera und viel wichtiger: Wieso mach ich das heute noch?

Wie alles anfing!

Es war im Herbst des Jahres 2008. Meine Eltern kauften mir meine erste eigene Kamera. Keine Spiegelreflex oder so! Um Himmels willen.
Das war ne stink normale, 100€ Digitalkamera von Samsung. Die gibt es übrigens noch heute und wurde an meine Nichte „weitervererbt“.
Meine damaligen Modele? Meine Kumpels! Denn die fuhren Fahrrad. Und ich kannte damals die „großen“ Filme der Szene. Nike 6.0 oder New World Disorder um mal zwei zu nennen. Das war der geilste Scheiß damals! Und genau sowas wollte ich – mit einer 100€ Kamera. Man war Jung & Dumm, wie schon gesagt.
Aber jeder fängt schließlich mal klein an.
Als es im Frühling 2009 dann etwas wärmer war, stürzten wir uns ins „Getümmel“. Egal ob Fotos oder Filmen. Jeder Fahrradtrick wurde festgehalten.
In den Sommerferien war dann das Ziel: Wir erstellen einen eigenen, grandiosen Film!
Wir filmten den ganzen Sommer lang. Die Jungs machten die Tricks und ich war der Typ hinter der Kamera. Es war eine tolle Zeit. Und unser erstes „richtiges“ Video war zum Ende der Sommerferien im Kasten.
Und das ging sogar 10 Minuten! Das Ding hab ich auf irgendeiner meiner (gefühlt) 25 Festplatten. Heute würde ich mich für ein solches Video in Grund und Boden schämen.
Aber es war der geilste Scheiß damals. Was waren wir Stolz!

Aber im Herbst 2009 endete dann alles. Meine Ausbildung hatte angefangen und wir machten kaum noch was zusammen. Und ich? Ich fotografierte nicht mehr. Die Kamera kam mir gar nicht mehr in den Sinn. Die Ausbildung war viel wichtiger. Und ich lebte jetzt auch allein. Alles war neu… irgendwie spannend. So spannend, dass ich einfach keine Lust hatte zu fotografieren.
Aber meine Leidenschaft war da noch irgendwo! Es brauchte nur einen kleinen Funken um das Feuer irgendwie wieder zu entfachen. Und dieser Funke kam im Sommer 2010 mit meiner Schwester. Denn die hatte sich in Japan (Sie lebte damals dort) eine Spiegelreflex gekauft. Um genau zu sein eine Canon EOS 500D.
Als meine Schwester uns in Deutschland besuchte, spielte ich ein wenig mit der Kamera rum. Und ich war begeistert. Alles musste irgendwie vor meine Linse! Schließlich merkte ich so erst mal, was alles möglich war. Ein unscharfer Hintergrund? WOW!
Es dauerte nicht mal eine Woche, bis ich mir meine erste, eigene Spiegelreflex kaufte. Ebenfalls eine EOS 500D zu einem (damaligen) Schnäppchenpreis von 700€ inklusive zwei Objektive. Die waren zwar nur komplette Standard Kitobjektive, aber das war mir egal.

Da war es wieder! Das Feuer und die Leidenschaft für die Fotografie. Irgendwann, ich glaube es war kurz vor dem Weihnachtsmarkt in Erfurt, kaufte ich mir dann noch meine erste Festbrennweite. Ein 50 mm f1.8 für 100€.
Danach ging es auf Partys. Was gab es besseres als Leute auf einer Party zu fotografieren, dabei noch Geld zu bekommen, Erfahrungen zu sammeln und noch gratis Essen & Trinken. Irgendwann merkte ich aber, dass diese Partys nicht so meins sind.
Es waren teilweise komische Leute dabei und diese Art der Fotografie war nicht mein Fall. Darüber hinaus hatte diese Art der Fotografie wenig „künstlerisches“ und nach einer Zeit nervte es mich dann doch an.

Mein Weg zur Peoplefotografie

Und so kam es Ende 2011 / Anfang 2012 dazu, dass ich mich bei Youtube mal nach Videos umschaute. Ich wusste ja noch nicht wo die Reise hingeht aber irgendwann hatte ich mal was von Peoplefotografen gehört. Also suchte ich danach und stieß auf einen Kanal von Video2Brian. Dort war dann auch das erste Video von Martin Krolop, welches ich mir anschaute. Und dann? Dann begann ich nach dem Namen mal zu suchen. Kurz darauf fand ich Ihren Blog und auch den Youtubechannel mit dem Namen „Krolop&Gerst„.
Ich schaute in jeder freien Minute die Videos. Denn Martin konnte alles wirklich gut und einfach erklären. Selbst Themen von denen ich absolut null Ahnung hatte (und teilweise heute noch habe) erklärte er einfach und verständlich. Deswegen wurde dieser Kanal zu meinem Nummer 1 Kanal wenn es um die Fotografie ging.
Und auch heute noch schaue ich oft bei Krolop & Gerst vorbei. Meistens dann jedoch wenn es um eine Live Show geht. Aber ich kann sagen, dass Martin Krolop maßgeblich daran schuld ist, dass ich heute Bilder mache. Hätte ich den Blog und den Kanal auf Youtube nie gefunden, hätte ich glaube nie so lange weitergemacht.
Kurz nach den ersten Videos war es dann so, dass ich natürlich noch Opfer Modelle brauchte. Wie sollte ich jemanden vor die Linse bekommen, wenn ich noch absolut NULL Erfahrung hatte? Deswegen durfte meine beste Freundin herhalten!
Sie freute sich über neue Bilder und ich konnte das üben, was mir Martin Krolop in seinen Videos sagte.
„Learning by doing“ war das Motto.
Ich versuchte mich von Shooting zu Shooting zu verbessern. Natürlich wusste ich damals nicht was ein „Moodboard“ ist. Oder wie ich ein Shooting plane.
Im Sommer 2012 hatte ich dann mein erstes „Auftragsshooting“.
Das bestand daraus, dass meine ehemalige Klassenkameradin für ihren damaligen Freund Bilder haben wollte.
Und so startet mein erstes Outdoorshooting – komplett planlos!
„Wo shooten wir?“ – „Puh, gute Frage! Wie wäre es mit dem Feld?!“ – „Ich weiß nicht, du bist der Fotograf.“ – „Dann sag ich mal: Feld!“.

So oder so ähnlich lief es damals ab.
Aber die Bilder waren für mein erstes Outdoorshooting erstaunlich gut. Also müssen ja die ganzen Videos was gebracht haben! Und so hatte ich mein erstes Portfolio.
Mein zweites Shooting fand dann mit einem Model statt. Sie hatte bereits erste Erfahrungen sammeln können und ich konnte weiter üben.
Und so baute ich mir nach und nach immer weiter ein Portfolio auf, welches dann direkt auf meiner Facebookseite landete.
Durch Kumpels versuchte ich an neue „Likes“ zu kommen. Nicht etwa weil ich mich geil fühlte, sondern weil ich wollte dass immer mehr Leute die Bilder sehen und mir Kritik da lassen.
Und die kam auch! Aber irgendwie anders als erhofft. Denn die Kritik war hart.
Sätze wie „Macht jetzt jeder ne Facebookseite auf, nur weil er ne Kamera gerade halten kann?!“ durfte ich mir anhören. Und das tat irgendwie weh! Innerlich dachte ich mir: „Sind meine Bilder so schlecht?“
Ich war deprimiert und hörte wieder auf mit der Fotografie. Zumindest für eine kurze Zeit. Meine „kreative Pause“ sozusagen. Und um mal Abstand von dem ganzen Social Media kram zu bekommen.
Ich schaute weiter Videos und wollte besser werden. Ich „spezialisierte“ mich direkt auf die Peoplefotografie und auf das Thema „Available Light“.
Wieso den Kopf voll mit Wissen haben, welches ich im Moment eh nicht brauche? Wieso sollte ich mir Videos zu Blitzen anschauen, wenn ich sie 1.) eh nich besitze und 2.) nicht benutzen würde?
In Erfurt suchte ich mir dann weiter Models und übte – ohne es zu posten. Die Kritik hatte mich irgendwie getroffen. Keine Ahnung wieso.
Aber irgendwann traute ich mich wieder mal eins zu posten. Und siehe da, es kam nur positive Kritik zurück! Aber ich war nicht zufrieden. Das Foto an sich war vllt gut, aber die Bearbeitung gefiel mir nicht.
Ich brauchte neuen Input! Es mussten neue Fotografen her, die mich inspirierten. Also setzte ich mich an den Rechner und schaute mal, was es da so an Fotografen in Facebook gibt, die mir gefallen.
Nach einiger Zeit stoß ich auf die Facebookseite von „André Josselin„. Ich war geflasht!
Die Aufnahmen entsprachen genau dem, was mir gefiel. Sie waren natürlich und irgendwie voller Emotionen. Keine gestellten Posen oder Models die künstlich und total übertrieben in die Kamera grinsten. Die Bilder hatten mich in ihren Bann gezogen. Andre begleitet mich bis heute. Natürlich sind mittlerweile noch eine ganze Menge Fotografen hinzugekommen.
Aber wieso hab ich damals weitergemacht? Wieso suchte ich mir nicht einfach ein anderes Hobby?

Wieso fotografiere ich noch immer?

Die Antwort darauf kann ich kurz und knapp sagen: Weil es kein Hobby ist, sondern eine Berufung.
Wenn ich einen stressigen Arbeitstag hatte oder „entspannen“ möchte, dann shoote ich. Für aussenstehende hört sich das sicherlich komisch an. Aber in meinem Fall ist es die Wahrheit.
Der Grund wieso ich nie aufgehört habe ist ganz einfach der, dass ich es liebe. Ich liebe es mit der Kamera in der Hand Ideen umzusetzen.

Ein paar abschließende (allgemeine) Worte

Die Fotografie hat sich selbst in so kurzer Zeit rapide verändert. Die Qualität der Fotos wird, gerade bei jungen Leuten, immer besser. Sie sind begeisterungsfähig und lernwillig. Das Qualitätslevel ist hoch, die Bilderflut auf Facebook aber noch höher!
Sucht euch deswegen Fotografen raus, die euch inspirieren. Lernt von Leuten, die das Fotografieren genau so lieben wie ihr.
Tauscht euch in Gruppen aus und nehmt konstruktive Kritik an! Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass ihr euch von der Kritik nicht einschüchtern lasst. Oder von anderen Fotografen. Wenn ihr nur fest an euch glaubt und immer weiter macht, dann könnt ihr alles erreichen!

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Ein Kommentar zu „Wie das „Unheil“ seinen Lauf nahmen!

  1. Ein sehr sehr geiler und interessanter Beitrag. Finde es toll, wie du das alles erzählt hast und wie viel privates du auch rein gelassen hast. Als nächstes dann mal einen Beitrag über deine Bearbeitung :p

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